REHABILITATION nach SCHLAGANFALL
Folgen des Schlaganfall
's:
Nach
einem Schlaganfall oder einer Gehirnblutung treten häufig folgende Störungen
auf:
Rehabilitation nach Schlaganfall
Der
Schlaganfall ist eine plötzlich auftretende Erkrankung des Gehirns. Es handelt
sich um eine Störung der Durchblutung oder eine Blutung in das Gehirn hinein,
die unterschiedliche Ursachen haben können. Typische Zeichen für einen
Schlaganfall sind zum Beispiel plötzlich auftretende Lähmungserscheinungen
oder Gefühlsstörungen einer Körperhälfte, Sehstörungen, wie eine Einengung
des Gesichtsfelds, Doppeltsehen, oder Gangunsicherheit, Stürze ohne erkennbare
Ursache, akut auftretender Schwindel, Sprachstörungen oder Schluckstörungen.
Nach
der Behandlung des Schlaganfall
's im Akutkrankenhaus wird bei vielen Patienten
eine Rehabilitation erforderlich.
"Nach
einem Schlaganfall ist alles anders". Mit diesem Slogan der Stiftung
Deutsche Schlaganfall-Hilfe (www.schlaganfall-hilfe.de)
wird vieles ausgedrückt: Das ganze Leben ändert sich – sowohl für die
Betroffenen als auch für die Bezugspersonen und Angehörigen. Dies ist jedoch
kein Grund zur Resignation. Je nach Art und Ausmaß der Funktionsstörung können
durch die Rehabilitation ausgefallene Funktionen weitgehend wieder hergestellt
oder aber ganz oder teilweise kompensiert werden.
Schlaganfall
- Rehabilitation
Die
Rehabilitation nach Schlaganfall sollte in hierfür eingerichteten Kliniken oder
Abteilungen erfolgen.
Typischerweise
arbeitet in der neurologische Rehabilitation ein therapeutisches Team mit den
Patienten, dem neben Ärzten Pflegekräfte, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten,
Sprachtherapeuten, Neuropsychologen, Sozialarbeiter und Mitarbeiter der
Physikalischen Therapie, Orthopädietechniker und Diätassistenten angehören.
In
Absprache mit dem Patienten, z. T. auch den Angehörigen, und den Mitgliedern
des Teams wird für den Patienten ein realistisches Rehabilitationsziel
festgelegt, auf das während der Rehabilitation hingearbeitet wird und das während
der Behandlung überprüft und angepasst wird.
Die
Schlaganfall - Rehabilitation erfordert die interdisziplinäre Zusammenarbeit im
Team.
Die
Zusammenarbeit mit örtlichen Selbsthilfegruppen aus Schlaganfall -Betroffenen
erweist sich in vielen Fällen als sinnvoll, weil sie die Patienten und deren
Angehörigen unterstützen und dazu beitragen können, das Umfeld für die
Schlaganfall - Patienten zu verbessern.
Folgende
Störungsbilder können typischerweise bei den Patienten vorliegen:
Halbseitenlähmung/ Hemiparese
(= Lähmung einer Körperhälfte)
bei Schlaganfall
Die
Verbesserung der motorischen Funktionsstörungen (Lähmungen, Bewegungsstörungen)
ist meist Schwerpunkt der Krankengymnastik und der Ergotherapie, sie beginnt
aber bereits bei der Pflege. Folgeschäden durch Lähmungen müssen verhindert
werden. Bereits bei Alltagsaufgaben können Funktionen trainiert werden, z. B.
bei der Körperpflege und beim An-/Auskleiden.
In
der Schlaganfall - Rehabilitation wird berufsgruppenübergreifend häufig das
Bobath-Konzept eingesetzt. Es handelt sich um eine Methode der Physiotherapie
auf neurophysiologischer Grundlage, bei der eine Minderung der erhöhten
Muskelspannung (Spastik) der gelähmten Muskelgruppen angestrebt wird. Grundlage
ist u.a. die Dehnung der angespannten Muskelgruppen. Unter der erreichten
Spastikminderung werden dann gezielte Bewegungen unter Vermeidung unerwünschter,
pathologischer Reaktionen geübt.
Andere
Therapiekonzepte auf neurophysioloischer Grundlage sind z.B. die propriozeptive
neuromuskuläre Fazilitation (PNF)
zur Bewegungsanbahnung oder auch die Vojta-Methode.
In
der Praxis hat es sich als sinnvoll erwiesen, einen Patienten nicht nur nach
einem Konzept zu behandeln. Sinnvoll ist, in der Schlaganfall - Rehabilitation für
den einzelnen Patienten die günstigsten Übungen aus den verschiedenen
Konzepten zusammenzustellen.
Bei
ausgewählten Patienten kann in der Schlaganfall - Rehabilitation in der
Behandlung von Lähmungen Elektrotherapie in Form der EMG-getriggerte
Elektrostimulation gewinnbringend eingesetzt werden. Eine willkürlich nur
teilweise durchführbare Bewegung kann unterstützt werden durch die
Elektrotherapie in größerem Radius durchgeführt . Um dies Verfahren einsetzen
zu können, darf die Muskulatur jedoch nicht vollständig gelähmt sein.
Ein
wichtiger Bereich der Schlaganfall - Rehabilitation ist das Wiedererlernen und
Üben des Stehens und Gehens. Bei schwerer betroffenen Personen muss zunächst
die Sitzkontrolle gelernt werden. Das Training im Stehpult kann hier anfangs
sinnvoll sein. Das Aufstehen bei halbseitig gelähmten Patienten wird mit möglichst
symmetrischer Gewichtsverteilung eingeübt. Möglichst früh wird auch das Gehen
geübt, wobei hier zunächst eine gewisse Rumpfstabilität erreicht sein muss.
Unterstützend
können in der Übungsphase Hilfsmittel eingesetzt werden, wie z.B. das Wickeln
zum Anheben des Fußes. Auf längere Sicht kann der Einsatz von Fußheber-Orthesen
(Schienen) notwendig werden, um ein sicheres Gangbild zu gewährleisten.
Beispielsweise kommt die Valenser-Schiene bei spastischen Lähmungen zum
Einsatz.
Behindert
eine spastische Tonuserhöhung bestimmte Funktionen, kann in gewissen Fällen
ergänzend der Einsatz von Botulinum-Toxin erwogen werden. Die Injektion des
Toxins in den Wadenmuskel kann beispielsweise zu einer Verbesserung des
Gangbildes mit günstigerem Abrollen des Fußes führen. Botulinum-Toxin führt
zu einer Zerstörung der "Kontaktstelle" zwischen Nerv und Muskel und
führt dadurch zu einer Schwächung des entsprechenden Muskels. Innerhalb von
drei Monaten bildet sich die sich die Wirkung zurück.
Die
physikalische Therapie nach
Schlaganfall ist ergänzend zur Minderung der erhöhten Muskelspannung
einzusetzen, so z.B. Wärmeanwendungen und gezielte Massagen oder das
motorgetriebene Standfahrrad, z.B. das Motomed®.-Gerät.
In
der Schlaganfall - Rehabilitation erfolgt in enger Abstimmung mit den anderen
Berufsgruppen die Ergotherapie. Sie
beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den sensomotorischen Störungen der
Arme. Anbahnung von Bewegungen, Training der Feinmotorik, der Koordination und
der Sensibilität sowie in manchen Fällen ein Umtrainieren auf die nicht-gelähmte
Hand gehören in diesen Bereich. Auch hier wird nach Methoden auf
neurophysiologischer Grundlage gearbeitet. Neben dem Bobath-Konzept und den oben
bereits aufgeführten Therapie-Methoden erfolgen hier auch Behandlungen nach der
Perfetti-Methode. Hierbei spielt die Aufnahme sensibler Informationen über die
Haut eine zentrale Rolle. Es wird in der Therapie beispielsweise die Hand über
verschiedene Oberflächen oder Objekte geführt, oder es werden vom Therapeuten
geführte Bewegungen in einzelnen Gelenken durchgeführt. Der Patient soll die
Empfindungen beschreiben. Ziel ist es, die sensible Wahrnehmung zu verbessern
und durch eine Aufmerksamkeitslenkung auf die betroffene Extremität neue
Bewegungsstrategien zu fördern.
Beim
Selbsthilfetraining werden
grundlegende Alltagsfertigkeiten, die Aktivitäten des täglichen Lebens („ADL“)
in der Ergotherapie geübt. Hierzu gehören z. B. Körperpflege, Anziehen der
Kleidung und Nahrungsaufnahme sowie das Umsetzen von Bett in den Rollstuhl oder
auf die Toilette. Über diese basalen Funktionen hinaus werden aber auch
differenziertere Fähigkeiten wie Kochen und andere Haushaltstätigkeiten oder
das Schreiben mit der Hand oder Maschine trainiert.
Das
Ausprobieren von Hilfsmitteln zur
Alltagsbewältigung nach Schlaganfall wird schwerpunktmäßig im Rahmen der
Ergotherapie durchgeführt, so z.B. die Anpassung eines Rollstuhls und der
Einsatz von Hilfen zur Erleichterung des Transfers, z.B. vom Bett in den
Rollstuhl. Zusatzgriffe im Badezimmer, Aufstehhilfen aus der Badewanne,
Anziehhilfen, Hilfen im Haushalt wie Griffverdickungen, spezielle
Schneidebretter etc. können dem Patienten zu deutlich mehr Sicherheit und
Selbständigkeit verhelfen.
Schlaganfall:
Störungen
der Kommunikation
Störungen
der Sprache (Aphasie), und die Störungen des Sprechens (Dysarthrie oder
Dysarthrophonie sowie Sprechapraxie) stellen das Arbeitsgebiet Sprachtherapie für
Patienten nach Schlaganfall dar. Bei den verschiedenen Störungen ist eine zunächst
eine sorgfältige Befunderhebung notwendig, um die Therapie durchführen zu können.
Dabei sind die verschiedenen sprachlichen Modalitäten – Verstehen, Sprechen,
Lesen und Schreiben – zu beurteilen. Bei den Störungen der Sprache weiß der
Patient häufig, was er aussagen möchte, findet aber die Worte nicht, verdreht
sie oder verwendet fehlerhafte Satzstrukturen. In unterschiedlichem Ausmaß ist
auch das Sprachverständnis betroffen. Bei den Störungen des Sprechens fällt
dagegen schwer, die Worte auszusprechen, sie klingen verwaschen und undeutlich
oder sind im schlimmsten Fall gar nicht zu verstehen.
In
der Therapie müssen neben den sprachlichen Defiziten auch die daraus
resultierenden kommunikativen und psychosozialen Beeinträchtigungen und die
verbliebenen Möglichkeiten der aktiven Teilnahme am sozialen Leben mit berücksichtigt
werden. Die Therapie zielt auf die bestmögliche Wiederherstellung der
kommunikativen Fähigkeiten des Patienten hin. Hier ist die intensive Beratung
und ggfs. Einbeziehung der Angehörigen in das Kommunikationstraining
erforderlich.
Schlaganfall:
Schluckstörungen
Auch
die Therapie der Schluckstörungen nach Schlaganfall stellt ein wichtiges
Aufgabenbereich innerhalb der Rehabilitation nach Schlaganfall dar. Bei der
funktionellen Schlucktherapie wird entweder eine partielle oder komplette
Wiederherstellung oder die Kompensation gestörter Funktionen angestrebt.
Schlaganfall:
Neuropsychologische
Störungen
Grundlage
der Behandlung neuropsychologischer Störungen ist zunächst eine exakte Analyse
der Symptomatik. Wachheit, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Planen und
Problemlösen werden hier überprüft.
Eine
Rückbildung spezifischer Störungen nach einem Schlaganfall wird durch
wiederholte strukturierte Übungsaufgaben angestrebt. Die Behandlung kann
entweder mit Papier und Bleistift durchgeführt werden oder aber am Computer
erfolgen. Dabei werden Komplexität, Menge, Geschwindigkeit der Anforderungen
etc. schrittweise erhöht. Grundlage der Kompensation ist der Einsatz nicht gestörter
Strategien, Erfahrungen und Verhaltensweisen. Die neuropsychologische Therapie
darf den Alltagsbezug nicht aus dem Auge verlieren, die gestörten Funktionen
sind entsprechend auch nach Möglichkeit in Alltagssituationen zu trainieren.
Dies erfolgt in enger Koordination mit den anderen Berufsgruppen innerhalb der
Rehabilitation.
Schlaganfall:
Krankheitsverarbeitung
Nach
einer akuten neurologischen Erkrankung, wie einem Schlaganfall, ändert sich das
Leben des Erkrankten wie auch seiner Familie häufig grundlegend. Der Patient
verliert in der Akutphase nach dem Schlaganfall die zuvor selbstverständliche
Kontrolle über seine körperlichen Funktionen und Fähigkeiten. Es handelt sich
zumeist für ihn um ein unbekanntes und nicht zu verstehendes Ereignis. Zur Unterstützung der Auseinandersetzung mit der Störung erhalten die Patienten und ihre Angehörigen ärztliche Informationen über die Ursachen und Hintergründe der Erkrankung (Schlaganfall) und die Möglichkeiten, einem erneuten Schlaganfall vorzubeugen. Bei den verschiedenen Therapien (Krankengymnastik etc.) werden den Patienten nach Möglichkeit Übungen an die Hand gegeben, die sie selbständig durchführen können. Hierdurch wird der Effekt der Behandlungen erhöht und die Patienten erleben zudem das begründete Gefühl, selbst etwas an dem Zustand für sich tun zu können. Dies unterstützt die Entwicklung oder den Wiederaufbau der Überzeugung, selbst etwas Positives bewegen zu können. Meistens ist es sinnvoll, auch die Angehörigen mit einzubeziehen. Sie können beispielsweise in den Therapien nach ihren Fähigkeiten Aufgaben gezeigt bekommen, die sie mit den Erkrankten wiederholen. Dabei ist aber auch darauf zu achten, dass der Patient oder der Angehörige nicht über das sinnvolle Maß hinaus aktiv sind, um Überforderung und Demotivation zu verhindern. Zur Krankheitsverarbeitung können auch psychologische Einzelgespräche sinnvoll sein.
Ein
Teil der Schlaganfall - Rehabilitation ist auch die Aufklärung über die
Risikofaktoren, die zum Auftreten eines Schlaganfalls beitragen können. Die
Patienten müssen wissen, was sie selber beitragen können, um das Auftreten
eines weiteren Schlaganfalls möglichst zu verhindern. Die Beratung, Anleitung und Betreuung der Angehörigen stellt einen wichtigen Anteil an der Schlaganfall - Rehabilitation dar. Um den Patienten und ihren Angehörigen nach der Rehabilitation Möglichkeiten zu geben, Ansprechpartner bei sozialmedizinischen oder anderen Problemen zu erhalten, ist der Einsatz von Schlaganfall-Selbsthilfegruppen wichtig. Im Rhein-Main-Gebiet gibt es eine aktive Selbsthilfegruppe für Betroffene nach Schlaganfall, (www.ssb-ev.de). Ihr Team der Wicker Klinik Bad Homburg
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unsere Chefärztin im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz. Sagen Sie uns
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